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Altersgerechtes Wohnen in der Wichernstraße INFOS

Kann das weg – oder soll das bleiben?

Gesetzliche Rahmenbedingungen verändern sich. Besonders im Bereich der Altenpflege führen neue Anforderungen häufig dazu, dass bestehende Gebäude nicht mehr sinnvoll weiterbetrieben werden können. Was früher funktionierte, entspricht plötzlich nicht mehr den heutigen Standards. Ein Neubau scheint dann oft die einzige mögliche Antwort zu sein. Zurück bleibt eine Spezialimmobilie, die für eine andere Nutzung nie gedacht war.

Gerade diese Gebäude liegen jedoch häufig an wertvollen Orten: gut eingebunden in gewachsene Wohnquartiere, nahe an Ortszentren, erreichbar für Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörige und Mitarbeitende. Wenn sie leer stehen, entsteht mehr als nur ein baulicher Missstand. Es entsteht eine Lücke im Quartier. Ein Gebäude, das einst Teil des sozialen Lebens war, wird zur Brache und schwächt die Qualität des Wohnumfeldes.

Kann das weg? 

In Roßtal befindet sich ein solches ehemaliges Altenpflegeheim. Mitten im Wohngebiet, in der Nähe des Ortszentrums und der S-Bahnstation gelegen, wurde das Gebäude vor Jahren aus der Nutzung genommen. Ein Ersatzneubau entstand an anderer Stelle, während die bestehende Immobilie zurückblieb. Für einen Ort wie Roßtal ist ein solcher Leerstand besonders spürbar. Die Größe des Gebäudes, seine Lage und seine bisher ungenutzten Potenziale beeinflussen unmittelbar die Entwicklung eines lebenswerten Quartiers.

Auf den ersten Blick scheint eine Nachnutzung schwierig. Die kleinteilige Zellenstruktur ehemaliger Pflegeheime passt kaum zu gängigen Nutzungskonzepten. Gleichzeitig verändert sich unsere Gesellschaft. Mit dem wachsenden Anteil älterer Menschen, insbesondere der Boomer-Generation, steigt der Bedarf an Wohnformen, die ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben im Alter ermöglichen – solange keine intensive medizinische Versorgung notwendig ist.

Genau hier liegt die Chance des Bestands. Durch neue Wohnformen wie betreutes Wohnen kann aus einer vermeintlich überholten Spezialimmobilie ein zeitgemäßes Wohnangebot entstehen. Das leerstehende Altenpflegeheim wird nicht als Problem verstanden, sondern als Ressource. Mit Kreativität, technischem Know-how und einem genauen Verständnis für die baulichen Möglichkeiten konnte das Gebäude wirtschaftlich und sinnvoll weiterentwickelt werden.

Die vorhandenen baulichen und planungsrechtlichen Zwänge wurden dabei nicht ignoriert, sondern bewusst aufgenommen. Die Besonderheiten des Bestandsgebäudes prägen die neue Gestaltung der Räume. Aufwendige statische und konstruktive Eingriffe konnten dadurch weitgehend vermieden werden. Gleichzeitig ermöglichte die enge und kooperative Zusammenarbeit mit den Behörden eine Umsetzung ohne komplizierte Planverfahren.

So entsteht innerhalb kurzer Zeit aus einer Brache ein neues Wohnraumangebot für altersgerechtes Wohnen. Ergänzt wird dieses durch öffentliche und gemeinschaftliche Nutzungen, die das Angebot des Marktes Roßtal für seine Bürgerinnen und Bürger erweitern. Vom Tagescafé bis zum Fitnesstraining entsteht ein vielfältiges Angebot, das die neue Nutzung aktiv mit dem sozialen Leben des Ortes verbindet.

Aus der Frage „Kann das weg?“ wird damit eine andere Haltung: Der Bestand bleibt nicht, weil er zufällig noch da ist. Er bleibt, weil er eine neue Aufgabe übernehmen kann.

Bauherr: Gulhan GmbH & Co Kg
Ort: Roßtal
Baujahr: 2024-
Leistungen: LP 1-8